Sportpolitisches Highlight 2025: Frankfurt ist Gastgeber der EOC-Vollversammlung

Die Öffentlichkeit wird wenig davon mitbekommen, schließlich werden keine Medaillen vergeben oder sportliche Höchstleistungen präsentiert. Aus sportpolitischer Sicht allerdings ist das anstehende Wochenende einer der wichtigsten Termine des Jahres für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Wenn von Donnerstag bis Samstag die Spitzen der Nationalen Olympischen Komitees Europas zur Generalversammlung (GA) im Marriott Hotel Frankfurt Messe zusammenkommen, ist der DOSB zum ersten Mal seit 2007 – damals war es das European Athletes Forum in Stuttgart – wieder Gastgeber für eine Großveranstaltung des Zusammenschlusses der European Olympic Comitees (EOC). „Wir haben einige Jahre sicherlich zu wenig auf dieser Ebene gemacht und wollen uns wieder mehr einbringen“, sagt DOSB-Präsident Thomas Weikert, „deshalb freuen wir uns sehr, diese Generalversammlung in Frankfurt durchführen zu dürfen!“

Welchen Stellenwert das EOC genießt, ist vielen im Sport tätigen Menschen noch nicht so geläufig, vielleicht weil dessen Entstehung einst schwierig war. Nachdem 1967 erstmals die Idee aufgekommen war, die Anliegen der nationalen Sportverbände unter einem europäischen Dach zu bündeln, dauerte es weitere acht Jahre, bis man sich in Lissabon unter den Namen Association of European National Olympic Comitees (AENOC) schriftliche Statuten gab. 1995 wurde der Name in EOC geändert, 2014 kam mit dem Kosovo der 50. und bislang letzte Mitgliedsverband dazu. 2015 fanden in Aserbaidschans Hauptstadt Baku erstmals die European Games statt, das Pendant zu Meisterschaften anderer Kontinentalverbände, die damit allesamt teils weit früher begonnen hatten. Über diese Großevents versuchen sich die Kontinentalverbände eigene Profile zu erarbeiten, was angesichts ihrer „Sandwich-Positionen“ zwischen den NOK und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) nicht einfach ist.

Die Bedeutung der Generalversammlung, die einmal im Jahr stattfindet, wird jedoch deutlich, wenn man einen Blick auf die Gästeliste wirft. Mehr als 300 Menschen reisen an, darunter auch IOC-Präsident Thomas Bach und alle sieben Kandidat*innen, die Ende März in Griechenland an die Spitze des IOC vorrücken wollen. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) und Hessens Sportministerin Diana Stolz (CDU) werden Grußworte sprechen. Das BMI, das Land Hessen und die Stadt Frankfurt, deren Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) am Freitagabend zum Festbankett kommen wird, unterstützen die Veranstaltung auch finanziell. „Die Anwesenheit der Führungsspitze des internationalen Sports unterstreicht, dass die GA ein sehr wichtiger Termin ist“, sagt Katrin Grafarend, beim DOSB Leiterin des Ressorts Internationales und in die Organisation der Versammlung in entscheidender Position eingebunden.

„Die Richtung stimmt, ich schaue mit Optimismus in Richtung der Spiele“

DOSB: Herr Bitterling, mit fünf Medaillen hat das deutsche Team die WM auf Rang vier der Nationenwertung beendet. Was war für Sie die positivere Überraschung dieser Titelkämpfe: Die überragende Performance von Franzi Preuß mit Gold in der Verfolgung, Silber im Sprint und zweimal Bronze in der Mixed- und Single-Mixed-Staffel? Oder der Bronzerang für die Männerstaffel? 

Felix Bitterling: Ehrlich gesagt war ich von beidem nicht wahnsinnig überrascht, habe mich aber über beides extrem gefreut. Dass die Franzi in der Lage sein würde, in allen Wettbewerben um Medaillen mitzukämpfen, wussten wir. Dennoch ist es eine herausragende Leistung, es dann auch so abzurufen. Und bei der Männerstaffel war uns das Potenzial ebenfalls bewusst, sie haben es geschafft, ihr Zeug zu machen und gemeinsam eine starke Leistung hinzulegen. Norwegen und Frankreich sind in einer anderen Liga. Bronze war an dem Tag das Maximum, was zu erreichen war, das haben sie erreicht. 

In den Einzelwettbewerben waren die Männer weit entfernt von den Medaillen, Rang sieben im Einzel von Philipp Horn war die einzige Top-10-Platzierung. Wie weit entfernt war das vom Maximum, das derzeit möglich ist? 

Selbstverständlich können wir mit den Einzelleistungen nicht zufrieden sein. Wir wissen, dass der Wettkampf bei den Männern beinhart ist, die Norweger und Franzosen sind so weit entfernt, dass man sie teilweise mit dem Fernglas kaum noch sehen kann. Dennoch ist das Potenzial im Team vorhanden, es gelingt uns nur leider noch nicht ausreichend, es auch in die Loipe und auf den Schießstand zu bringen. 

Bitte wählt, aber demokratisch!

Dazu hat der DOSB Ende vergangener Woche eine Wahlkampagne gestartet, an der sich alle Athlet*innen des Team D und Team D Paralympics beteiligen können. Auch DOSB-Präsident Thomas Weikert ruft dazu auf, die Demokratie zu stärken.

„Freiwilligendienste werden leider noch immer unterschätzt“

Der DOSB hat zehn Forderungen an die neue Bundesregierung aufgestellt - und wir untermauern diese in den Wochen des Bundestagswahlkampfs und der anschließenden Koalitionsverhandlungen mit der Unterstützung von Testimonials aus dem Leistungssport, um anhand von Beispielen aus der Praxis deutlich zu machen, was diese Forderungen dem organisierten Sport bedeuten. Der Link zu allen zehn Forderungen findet sich am Textende. In Folge 5 geht es um Weiterentwicklung und Wertschätzung.   

Ein klares Bekenntnis für die Stärkung und nachhaltige Finanzierung der Freiwilligendienste abgeben - so steht es in den zehn Forderungen, die der DOSB an die Bundespolitik gestellt hat. Wer ein solches Bekenntnis wünscht, sollte Nike Rühr kontaktieren. Als Führungsspielerin in der deutschen Hockey-Nationalmannschaft hat die 27-Jährige, die vor ihrer Hochzeit mit Hockey-Nationalstürmer Christopher Rühr im vergangenen Jahr den Nachnamen Lorenz trug, bis zu ihrem Rücktritt nach den Olympischen Spielen 2024 in Paris regelmäßig soziale Themen auf die Agenda gebracht. Die Initiative, als Kompensation für die vielen Flugreisen einen Hockeywald zu pflanzen, geht ebenso auf ihr Engagement zurück wie das erstmalige Tragen der Regenbogen-Kapitänsbinde bei Olympischen Spielen. 

Bundestagswahl 2025: Das fordert der organisierte Sport

Sport im Verein ist so beliebt wie nie. Mit mehr als 28 Millionen Mitgliedschaften in rund 86.000 Sportvereinen erreichte der organisierte Sport 2024 einen neuen Allzeitrekord. Damit ist und bleibt der Sport unter dem Dach des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) die größte zivilgesellschaftliche Bewegung unseres Landes. 

Das ist allerdings nicht selbstverständlich. 

Sportvereine und -verbände, Trainer*innen und Athlet*innen im ganzen Land sehen sich von der Politik oftmals nicht ausreichend für ihre Arbeit und ihren Einsatz wertgeschätzt und gefördert. An vielen Ecken und Enden besteht dringender Handlungsbedarf. 

Anlässlich der vorgezogenen Bundestageswahl am 23. Februar 2025 hat der DOSB als Dachverband des deutschen Sports zehn politische Forderungen aufgestellt. Diese Forderungen, die alle 102 Spitzenverbände, Landessportbünde und Verbände mit besonderen Aufgaben auf der DOSB-Mitgliederversammlung am 7. Dezember 2024 in Saarbrücken einstimmig beschlossen haben, liegen den Parteien und Fraktionen vor und werden bis zur Wahl sowie während der Koalitionsverhandlungen gezielt an die Politik herangetragen. 

Wahlprogramme zur Bundestagswahl in Bezug auf den Sport

Mit nur noch wenigen Wochen bis zur Bundestagswahl am 23. Februar 2025 startet der Wahlkampf nach dem Jahreswechsel in die heiße Phase. Ihre Wahlprogramme haben die Parteien größtenteils schon vor Weihnachten vorgestellt, und dass dies kein gewöhnlicher Wahlkampf ist, macht sich auch in den Programmen bemerkbar: Deutlich kürzer als zu den vergangenen Wahlen halten die Programme natürlich auch weniger Pläne für die Förderung von Sport, Bewegung und Ehrenamt bereit. Doch was planen die Parteien hier überhaupt? Wo herrscht Einigkeit und wo unterscheiden sie sich? Und wo sind noch Leerstellen, die aber zwingend Eingang in einen Koalitionsvertrag finden müssen?

Mit der Forderung nach einer jährlichen „Sportmilliarde“ gehen CDU und CSU mit einer konkreten Summe für die Sportförderung des Bundes ins Rennen. Bei SPD und Grünen bleiben die Bekenntnisse für Investitionen in Sportstätten abstrakter. Beide wollen jedoch mit einem „Deutschlandfonds“ öffentliche Infrastruktur-Investitionsprogramme auflegen, von denen auch Sportstätten profitieren sollen.

Neben der Sportmilliarde stellt die Union als prominente Forderung auch eine*n Staatsminister*in für Sport und Ehrenamt im Bundeskanzleramt in Aussicht. Die SPD will hingegen den Sport als Staatsziel im Grundgesetz verankern.

Keinen Dissens gibt es bei einer Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele, die von Union und SPD uneingeschränkt unterstützt werden. Grüne und FDP verknüpfen ihre Zustimmung mit Forderungen nach Nachhaltigkeit und dem Schutz von Menschrechten bei möglichen Spielen in Deutschland.

Am umfangreichsten sind bei allen vier Parteien die Pläne zur Entlastung und Förderung des Ehrenamts. Die Union möchte mit einem Vereinspaket für das Ehrenamt vor allem Bürokratie-, Haftungs- und Datenschutzprobleme lösen. Zudem sollen Übungsleiter- und Ehrenamtspauschale spürbar erhöht werden. Die FDP spricht bei den Pauschalen von einer Anpassung, plant aber weitergehende Bürokratieentlastungen sowie einen digitalen Vereinslotsen zur Unterstützung der Vereine. Einen Schwerpunkt wollen die Liberalen auf eine stärkere Einbindung der Babyboomer-Generation legen. Die SPD will erneut mit einem Demokratiefördergesetz die Zivilgesellschaft stärken. Die Grünen wollen den Zugang von Menschen mit geringem Einkommen, Migrationsgeschichte oder Behinderung in das Ehrenamt verbessern und mit einer bundesweit gültigen Ehrenamtskarte mehr Wertschätzung für Engagierte schaffen. Alle Parteien fordern, dass E-Sport gemeinnützig wird.

Vergleichsweise zurückhaltend sind alle Parteien bei ihren Plänen zur Reform und Förderung des Spitzensports. Die Union möchte insbesondere die Situation der Trainer*innen verbessern. Die Grünen fordern eine übergreifende Spitzensportstrategie. Zur Zukunft des Sportfördergesetzes, einer Leistungssport GmbH oder Spitzensportagentur findet sich bei keiner der Parteien eine Aussage.

Die Debatte um eine Wiedereinführung der Wehrpflicht wird stark mit den Freiwilligendiensten verknüpft. Alle Parteien haben gemein, diese zu stärken. Die Grünen wollen einen Rechtsanspruch auf einen Freiwilligendienst und die SPD das „Taschengeld“ erhöhen, um den Freiwilligendienst zugänglicher zu machen. Die Union fordert gar ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr, das mit der aufwachsenden Wehrpflicht zusammen gedacht werden soll.

Die Wahlprogramme von BSW und Die Linke sind nochmal deutlich kürzer und haben daher auch kaum Bezüge zum Sport. Das BSW fordert, dass der Bund für alle Kinder und Jugendlichen das erste Jahr einer Vereinsmitgliedschaft bis zu einem Betrag von 150 Euro finanzieren soll. Bei der Linkspartei findet sich die Forderung nach einer besseren finanziellen Ausstattung der Kommunen, unter anderem für Investitionen in öffentliche Schwimmbäder. Da nur die Programme der demokratischen Parteien betrachtet werden, findet die AfD keine Berücksichtigung.

Bis zu den Wahlen am 23. Februar stehen noch die Parteitage an, auf denen die Programme offiziell beschlossen werden. Parallel läuft natürlich der Wahlkampf auf Hochtouren. Die deutlich kürzeren Wahlprogramme könnten auch ein Indikator sein, dass ein künftiger Koalitionsvertrag deutlich knapper und grober gefasst sein könnte und die Details der Regierungspolitik nicht schon in den Koalitionsverhandlungen, sondern im Regierungshandeln der darauffolgenden vier Jahre festgelegt werden. Die Forderungen des organisierten Sports, die auf der DOSB-Mitgliederversammlung in Saarbrücken beschlossen wurden, liegen den Parteien und Fraktionen vor und werden in den Wochen bis zur Wahl sowie während der Koalitionsverhandlungen gezielt in Richtung Politik kommuniziert.

Wegbereiterin, Türöffnerin, Pionierin – das bunte Fußballleben der Monika Staab

Eineinhalb Stunden lang hat sie bereits geredet, auf jede Frage eine Antwort gefunden und mindestens eine Anekdote dazu erzählt, blumig und unterhaltsam. Aber nun hält Monika Staab inne und muss überlegen. Ob es eine Station auf ihrem beruflichen Lebensweg gegeben habe, die sie sich im Nachhinein lieber erspart hätte, war die Frage gewesen. Sie schaut irritiert, dann sagt sie: „Reisen ist schön, birgt aber immer auch Gefahren. Aber da ich ein angstfreier Mensch bin, habe ich auf jeder Station etwas gelernt und davon profitiert. Insofern möchte ich keine davon missen.“

Monika Staab, der man die Athletik aus ihrer aktiven Karriere bis heute ansieht, ist der Typ Frau, für den der Begriff Pionierin erfunden wurde. Ihr gesamtes berufliches Wirken hat sie dem Frauenfußball verschrieben. Sie stand als Spielerin 1977 mit der NSG Oberst Schiel im Finale um die deutsche Meisterschaft, spielte mehrere Jahre für Clubs in Frankreich und England, führte die SG Praunheim 1990 als Mannschaftskapitänin in die Bundesliga. Von 1993 an war sie Trainerin, feierte Erfolge bei der SG Praunheim und gewann, nachdem sie deren Frauenabteilung in den als neuen Verein gegründeten 1. FFC Frankfurt überführt hatte, mit ihren Teams als Trainerin und Präsidentin viermal die deutsche Meisterschaft, fünfmal den DFB-Pokal und 2002 den ersten UEFA-Pokal der Frauen. Doch was nun, da die 66-Jährige in den Ruhestand eingetreten ist, im Rückblick alles überstrahlt, ist ihr Wirken als internationale Trainerin, das ihr weltweit zu großer Bedeutung verholfen hat. Und darüber mit ihr zu sprechen, ist wie ein kleiner Bildungsurlaub.

Jetzt als Fackelläufer für Mailand Cortina 2026 bewerben

Bewerber sind eingeladen, ihre Geschichte zu erzählen und zu erklären, warum sie Teil dieses außergewöhnlichen Staffellaufs sein wollen. Von den Fackelträgern wird erwartet, dass sie für die Werte des Sports und der Olympischen und Paralympischen Bewegung einstehen. Ziel ist es, 10.001 Fackelträger für den Olympischen Fackellauf und 501 Fackelträger für den Paralympischen Fackellauf zu gewinnen.

Interessenten können sich hier bewerben.

Zahlen und Fakten zum Olympischen Fackellauf:

  • 10.001 Fackelträger werden die Flamme auf ihrer 63-tägigen und 12.000 Kilometer langen Reise tragen
  • Alle italienischen Regionen und alle 110 Provinzen der Halbinsel werden besucht
  • Die Reise beginnt mit dem Entzünden des Olympischen Feuers im antiken Olympia am 26. November 2025
  • Die Flamme wird am 4. Dezember 2025 in Rom eintreffen und zwei Tage später ihre Reise durch Italien antreten
  • Die Flamme wird am 26. Januar nach Cortina d'Ampezzo zurückkehren und ihre Reise am 6. Februar in Mailand beenden, wo sie im San-Siro-Stadion zur Eröffnungsfeier eintreffen wird
  • Die Partner des Olympischen Fackellaufes sind Coca-Cola und Eni
  • Der weltweite Olympia-Partner Coca-Cola ist seit mehr als drei Jahrzehnten stolzer Unterstützer des Olympischen Fackellaufs. Als Partner des Olympischen Fackellaufs für Mailand Cortina 2026 trägt Coca-Cola weiter dazu bei, die olympischen Werte zu fördern

Zahlen und Zahlen zum Paralympischen Fackellauf:

  • 501 Fackelträger werden das Paralympische Feuer nach ihrer Entzündung in Stoke Mandeville, Großbritannien, dem Geburtsort der Paralympischen Bewegung, durch ganz Italien tragen
  • Das Paralympische Feuer wird vom 24. Februar bis zum 6. März 2026 binnen elf Tagen 2000 Kilometer zurücklegen
  • Vom 24. Februar bis zum 2. März wird das Paralympische Feuer fünf Flammen Festivals in Mailand, Turin, Bozen, Trient und Triest beleben, bevor am 3. März in Cortina d'Ampezzo eine Zeremonie zur Vereinigung der fünf Flammen stattfindet
  • Ab dem 4. März besucht die Flamme Venedig und Padua und erreicht am 6. März die Arena di Verona, wo die Eröffnungsfeier der Paralympischen Spiele stattfindet
  • Der weltweite Olympia-Partner Allianz ist der Presenting Partner des Paralympischen Fackellaufs.

Mehr Informationen finden Sie hier.

Acht Tage, die die Karriere richtig anschieben können

Einfach wird es nicht werden, wenn sie an diesem Dienstag in der Sportschule in Garmisch wieder dem Unterricht folgen muss, da ist sich Janina Walz ganz sicher. Zu frisch sind die Eindrücke der vergangenen acht Tage, zu wild die Emotionen, die die 16-Jährige durchgeschüttelt haben. „Ich habe mich zwar schon auf zu Hause gefreut, aber es hat einfach so wahnsinnig viel Spaß gemacht, dass es mir schwerfallen wird, wieder in den Alltag zurückzukehren“, sagt Janina, und wer könnte ihr das verdenken? Schließlich hat sie gerade vom wichtigsten Wettkampf ihrer noch jungen Leistungssportkarriere zwei Medaillen mit nach Deutschland zurückgebracht. Da darf man ruhig noch einige Tage träumen! 

Janina Walz vom Snowgau Freestyle Team ist eine von sechs Athlet*innen, die das kleine, aber feine Team D beim Winter-EYOF in Georgien (9. bis 16. Februar) stellten. EYOF steht für European Youth Olympic Festival und ist auf kontinentaler Ebene ein olympisches Vorbereitungsturnier für den talentiertesten Nachwuchs in der Altersklasse 14 bis 18. Rund 950 Athlet*innen aus 45 Nationen waren in acht Sportarten an den Standorten Bakuriani (Ski alpin, Skilanglauf, Ski Freestyle, Snowboard, Biathlon), Batumi (Eiskunstlauf und Shorttrack) und Tiflis (Eishockey) am Start. Und weil Snowboarderin Janina sowohl im Slopestyle als auch im Big Air jeweils Bronze gewinnen konnte, darf sie sich als erfolgreichste deutsche Athletin feiern lassen. „Ich hatte mich schon gefreut, überhaupt die Finals erreicht zu haben“, sagt sie, „dass es dann zu zwei Medaillen gereicht hat, war total überraschend, aber umso schöner!“ 

Weil ihre Disziplinkollegen Luka Kamissek (17/TSV 1860 München), der Silber im Slopestyle holte, und Damian Millinger (16/WSV Bischofswiesen) mit Bronze im Big Air zwei weitere Medaillen beisteuerten, zieht Patrizia Wittich als Chefin de Mission des deutschen Aufgebots ein durchweg positives Fazit. „Wir schauen nicht in erster Linie auf die Medaillen, die Athletinnen und Athleten sollen ihre individuelle Bestleistung im internationalen Setting abrufen. Das haben sie nicht nur geschafft, sondern konnten auch wichtige Erfahrungen bei einem internationalen Multisportevent sammeln. Es war ein perfekt organisiertes Festival, die Wettkampfstätten, der Transport, die Unterbringung und die Verpflegung – alles hat gepasst. Dafür gebührt den georgischen Gastgebern ein großes Lob“, sagt sie. 

Das unterstreicht auch Janina Walz, die seit fünf Jahren ihren Sport auf Wettkampfbasis betreibt. „Ich hatte mir das alles nicht so groß und toll vorgestellt, wie es war“, sagt sie. Die Kulisse des Snowboard-Parks habe sie vom ersten Training an mächtig beeindruckt. „Ich hatte bislang noch nie bei einem Wettkampf festgelegte Trainingszeiten. Auch daran habe ich gemerkt, dass das EYOF ein besonderes Event ist. Du musst schon im Training zu einer bestimmten Zeit bereit sein, deine Leistung abzurufen. Aber genau solche Dinge sollen wir ja lernen.“ 

„Mit mehr Sport als Prävention könnten wir sehr viel Geld einsparen“

Der DOSB hat zehn Forderungen an die neue Bundesregierung aufgestellt – und wir untermauern diese in den Wochen des Bundestagswahlkampfs und der anschließenden Koalitionsverhandlungen mit der Unterstützung von Testimonials aus dem Leistungssport, um anhand von Beispielen aus der Praxis deutlich zu machen, was diese Forderungen dem organisierten Sport bedeuten. Der Link zu allen zehn Forderungen findet sich am Textende. In Folge 4 geht es um Transformation und Teilhabe.  

Wir alle kennen und schätzen ihn als strahlenden Gewinner paralympischer Medaillen. Aber bevor Niko Kappel, seit 2018 Profiathlet, zu einem der weltbesten Kugelstoßer heranreifte, spielte er Fußball. Und in dieser Zeit beim FC Welzheim lernte er Lektionen, die ihn heute dazu antreiben, für den gesellschaftlichen Stellenwert des Sports zu kämpfen, wann immer er dazu Gelegenheit bekommt. „Sport ist so viel mehr als körperliche Aktivität. Man lernt, in einem Team zu agieren und seinen Platz zu finden. Man lernt respektvollen Umgang und Rücksichtnahme, Disziplin und Durchhaltevermögen. Man lernt zu verlieren und, mindestens ebenso entscheidend, wie man sich als Gewinner korrekt verhält. All das ist so unfassbar wichtig, dass man die Rolle des Sports für den gesellschaftlichen Zusammenhalt gar nicht hoch genug bewerten kann“, sagt der 29-Jährige, der für den VfB Stuttgart startet und als dessen Markenbotschafter fungiert. 

Man könnte diesen Text hier fast beenden, denn inhaltlich bräuchte es kaum mehr zu wissen, um die Forderungen des Sports an die Politik unterstützen zu können. Dann jedoch würden die Gedanken, die Niko Kappel sich über Themen wie Inklusion und Integration macht, auf der Strecke bleiben, und das wäre schade. Schließlich ist er aus seiner eigenen Erfahrung heraus Experte für diese Bereiche, in denen der Sport dem Rest der Gesellschaft oft mehrere Schritte voraus ist. Seine Kleinwüchsigkeit hat auch deshalb für seine Entwicklung nie eine herausgehobene Rolle gespielt, weil sie im Verein nicht thematisiert wurde. „Ich habe im Fußball ganz selbstverständlich gelernt, dass es mit meinen 1,41 Metern Körperlänge wenig Sinn ergibt, wenn ich bei Ecken im Sechzehnmeterraum rumtobe. Stattdessen habe ich für den langen Innenverteidiger abgesichert, der die Kopfballduelle gewinnen konnte. Inklusion war damals noch kein Thema, ich habe diese Rolle bekommen, weil ich dort ein Faktor für die Mannschaft war. Ich wurde behandelt wie alle anderen auch, ich wurde akzeptiert, nicht nur geduldet, und das hat der Ausbildung meines Selbstvertrauens enorm geholfen“, erinnert er sich. 

In vollem Umfang den integrativen Charakter des Sports zu verstehen, das sei ihm zwar erst im Erwachsenenalter gelungen. „Aber schon als Kind spürst du, dass du dich mit anderen auch ohne Worte verstehen kannst. Du kennst dein Gegenüber nicht, weißt nichts über dessen Herkunft, Ansichten, Fähigkeiten, aber wenn man sich dann den Ball hin- und her spielt, spricht man schon dieselbe Sprache“, sagt er. Als Teenager habe ihn vor allem beeindruckt, wie selbstverständlich unterschiedliche Kulturen miteinander auskommen können, wenn sie sich hinter dem gemeinsamen Ziel versammeln, einen Wettkampf zu gewinnen. „Wir hatten Jungs aus vielen unterschiedlichen Nationen im Team, waren multikulturell. Aber das Schöne war, dass das wirklich niemanden interessiert hat, wo jemand herkam. Es zählte nur, dass jeder sich ins Team einbringen konnte. Dadurch sind Freundschaften auf einer ganz anderen Ebene entstanden.“

Programme wie „Integration durch Sport“ oder „Demokratie leben!“, die zur Integration, Demokratieförderung und zum Abbau von Diskriminierung beitragen, bedarfsgerecht zu fördern und deren finanzielle und inhaltliche Weiterentwicklung zu unterstützen, hält Niko Kappel angesichts seiner Erfahrungen für unerlässlich. Gleiches gilt für die Forderung, bestehende Sportstätten barrierefrei zu machen und bei Neubauten die Barrierefreiheit ebenso selbstverständlich mitzudenken. „Dabei muss es nicht immer die große Lösung sein, auch kleine Schritte wie zum Beispiel der Bau einer Rampe helfen und sind manchmal sogar besser, um die Akzeptanz von außen zu erhöhen. Wichtig ist nur, dass die Barrierefreiheit immer mitgedacht wird.” Gleiches gelte bei Webseiten für Blinde oder Videos für Gehörlose. „Es braucht einfache Lösungen auch für kleine Vereine, die zum Beispiel mittels KI ihre Angebote für jeden Nutzer bedarfsgerecht übertragen könnten.”

Die Politik dürfe es gern etwas mehr wertschätzen, dass in diesen Bereichen im Sport so viel entwickelt wird, sagt Niko Kappel – und das nicht aus der Position des notorischen Nörglers, sondern im Bewusstsein, mit welchen Schwierigkeiten sich politische Basisarbeit oft konfrontiert sieht. Zehn Jahre lang saß er für die CDU im Gemeinderat seiner Heimat Welzheim, ehe er Ende 2024 mit seiner Freundin nach Waiblingen zog. „Ich bin politisch sehr interessiert, hatte dank meiner Ausbildung als Bankkaufmann auch viel mit Haushalts- und Finanzpolitik zu tun. Fragen zu stellen und mitdiskutieren halte ich für sehr wichtig.“ 

“Rise for Empathy: Ursachen erkennen – benennen – verbannen“

Mit einer Tanzdemo vor dem Brandenburger Tor in Berlin macht One Billion Rising jährlich am 14. Februar eindrucksvoll auf die weit verbreitete Gewalt und Diskriminierung gegen Frauen* und Mädchen* aufmerksam – und ruft dazu auf, nicht länger zu schweigen, sondern gemeinsam für Gerechtigkeit einzutreten. Die Tanzdemo in Deutschland wird von Lisa Paus, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, als Schirmfrau unterstützt.  

Auch DOSB und dsj schlossen sich ihr an und setzten ein klares Zeichen gegen Gewalt an Mädchen* und Frauen* - sowohl auf der Tanzdemo vor Ort in Berlin als auch durch die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema in den eigenen Strukturen. 

„Wegbegleiter*innen“ im Sport: Geschichten vom Ankommen

„Wegbegleiter*innen“ rückt nun die persönlichen Geschichten der Menschen in den Mittelpunkt, die durch „Willkommen im Sport“ und ihre Vereine einen Weg in Deutschland gefunden haben. Es zeigt, wie Sport Brücken zur gesellschaftlichen Teilhabe bauen kann – und wie individuell und besonders diese Wege sind.

Komm in den Sport, finde dein Zuhause

Während zu Beginn vor allem niedrigschwellige Angebote im Fokus von „Willkommen im Sport“ standen, rückte zunehmend die nachhaltige Einbindung von Menschen mit Fluchterfahrung in Vereinsstrukturen in den Mittelpunkt. Ziel war es, ihnen nicht nur den Zugang zum Sport zu ermöglichen, sondern auch ehrenamtliches Engagement zu fördern. Sport wird als Ort der Begegnung und des gegenseitigen Lernens verstanden – ein Gedanke, den die „Wegbegleiter*innen“ durch bewegende Porträts lebendig machen.

 

Deutscher Sportstättentag: Breite Allianz fordert Bundesmilliarde

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), der Deutsche Städtetag, der Deutsche Städte- und Gemeindebund sowie die IAKS Deutschland laden am 29. Oktober 2025 zum dritten Deutschen Sportstättentag im Rahmen der FSB-Messe in Köln ein. Im Fokus steht dabei die dringende Notwendigkeit, Sportstätten als Schlüssel für Gesundheit, sozialen Zusammenhalt und Klimafreundlichkeit zu fördern.

Der DOSB, der Deutsche Städte- und Gemeindebund und die IAKS Deutschland fordern gemeinsam ein Bundesprogramm, das jährlich mindestens eine Milliarde Euro für den Neubau, die Sanierung, die Modernisierung und die Dekarbonisierung von Sportstätten bereitstellt - idealerweise ergänzt durch eine gleichwertige Förderung der Bundesländer.

Völlig losgelöst: Wie die Eishockeyfrauen die Qualifikation für die Winterspiele 2026 schafften

Die Arbeit von drei Jahren, sie hätte innerhalb weniger Sekunden ausgelöscht gewesen sein können. Als am Sonntagabend in Bremerhaven beide Mannschaften feierten - die deutschen Eishockeyfrauen, weil sie das Ticket für die Olympischen Winterspiele 2026 gelöst zu haben glaubten, die Gegnerinnen aus Ungarn, weil sie dachten, den Last-Second-Ausgleich erzielt und die Entscheidung aufgeschoben zu haben - da wurde wieder einmal deutlich, warum wir alle den Sport so sehr lieben, wie wir es tun: Weil er Emotionen freisetzt und Geschichten schreibt, die wir im „normalen“ Alltag selten erleben. 

Daria Gleißner stand, als die Spieluhr dem Ende der regulären 60 Minuten im letzten Spiel des Qualifikationsturniers entgegentickte, hinter der Bande. Nachdem sowohl Deutschland als auch Ungarn ihre Partien gegen Österreich und die Slowakei gewonnen hatten, wurde das direkte Duell zum Endspiel um das Olympiaticket, das nur der Sieger lösen würde. „Ich habe gesehen, wie die Uhr auf 0:00 sprang, dann habe ich die Schlusssirene gehört. Als ich gerade aufs Eis sprang, sah ich, wie die eine Schiedsrichterin ein Tor anzeigt. Aber ich war mir sicher, dass es nicht zählen würde, denn die Zeit war ja abgelaufen“, sagt die Verteidigerin, die in der DFEL für den ECDC Memmingen aufläuft, am Tag nach dem Nervenkrimi. Dennoch dauerte es einige Minuten, bis das Schiedsrichterinnen-Gespann den 2:1-Sieg der deutschen Auswahl als endgültig erklärte - und alle Dämme brechen durften. 

Angelina Köhler wirbt für Teilnahme am Programm „Schutz vor Hate Speech“

Es ist das Beben in ihrer Stimme, das verrät, wie sehr das Thema sie immer noch beschäftigt, auch wenn dessen Ursprung mittlerweile ein halbes Jahr zurückliegt. „Ich habe die volle Breitseite des Hasses abbekommen“, sagt Angelina Köhler, „und was mich ganz besonders mitnimmt: Es hört nicht auf! Noch immer bekomme ich deswegen Hassnachrichten. Das ist wirklich absolut krass.“ Tatsächlich, das ist es. Umso wichtiger, dass sich die deutsche Spitzenschwimmerin entschieden hat, ihre Erfahrungen mit der Öffentlichkeit zu teilen. Weil sie dafür sensibilisieren möchte, welche Gefahren im Umgang mit den sozialen Medien lauern. Und weil sie den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) unterstützen möchte im Vorhaben, seine Kampagne „Schutz vor Hate Speech“ auch bei den Olympischen Winterspielen in Italien im Februar 2026 fortzuführen und auf eine breitere Basis zu stellen. 

Was war passiert? Im olympischen Rennen über die 100 Meter Schmetterling bei den Spielen in Paris im August 2024 hatte Angelina Köhler als amtierende Weltmeisterin die Bronzemedaille um 21 Hundertstelsekunden verpasst. Platz drei ging stattdessen an die Chinesin Zhang Yufei - eine der 23 Schwimmer*innen aus dem Reich der Mitte, die unter Dopingverdacht standen. 2021 war sie auf das verbotene Herzmedikament Trimetazidine getestet worden, die Welt-Antidoping-Agentur WADA allerdings folgte der Erklärung chinesischer Behörden, nach der die verbotene Substanz über verunreinigte Nahrung aufgenommen worden sei. 

Angelina Köhler, die viel Wert darauf legt, zu ihren Werten und moralischen Vorstellungen zu stehen, sprach in Interviews freimütig und in Tränen aufgelöst darüber, dass Rang vier hinter der Chinesin durchaus einen Beigeschmack habe. Die BILD machte daraus die Schlagzeile „Doping-Chinesin klaut unserer Schwimm-Königin Bronze“. Daraufhin brach eine Welle der Entrüstung über Angelina Köhler herein, vor allem aus China kamen unzählige Nachrichten, viele davon nicht in chinesischer, sondern in englischer und deutscher Sprache, generiert von Bots. 

Olympische Winterspiele 2026 - Das solltest Du wissen

1. Wann finden die Olympischen Winterspiele 2026 statt?

Die Olympischen Winterspiele 2026 finden vom 6. bis 22. Februar 2026 in Italien statt.

2. Wo genau finden die Spiele statt?

In den Städten Mailand und Cortina d’Ampezzo sowie in den Regionen Lombardei (Bormio & Livigno) und Venetien (Verona) und in den autonomen Provinzen Trient (Fleimstal) und Bozen (Antholz).

Die Spiele werden im San-Siro-Stadion in Mailand eröffnet und in der Arena von Verona ihren Schlusspunkt finden.

3. Welche Sportstätten werden für die Olympischen Winterspiele 2026 genutzt?

Für die Olympischen Winterspiele 2026 kommen hauptsächlich bestehende oder temporär errichtete Sportstätten zum Einsatz. Insgesamt wird es 13 Wettkampfstätten geben, von denen elf bereits heute existieren oder lediglich temporär erbaut werden.

Die wichtigsten Sportstätten sind:

  • Mailand:
    • Mediolanum Forum (Eiskunstlauf, Shorttrack)
    • PalaItalia Santa Giulia (Eishockey)
  • Cortina:
    • Olimpia delle Tofane (Ski Alpin - Damen)
    • Eugenio Monti Sliding Centre (Bob, Rodeln, Skeleton)
  • Antholz:
    • Antholz Biathlon Arena (Biathlon)
  • Bormio:
    • Stelvio-Piste (Ski Alpin - Herren, Ski Mountaineering)
  • Val di Fiemme (Predazzo & Tesero):
    • Trampolino Dal Ben (Skispringen, Nordische Kombination)
    • Lago di Tesero (Langlauf, Nordische Kombination)

Mailand Cortina 2026: Deutsches Haus in den Dolomiten

Ursprünglich, gemütlich - und mitten in der Natur mit Blick auf die dolomitischen Bergketten. Der „Golfclub Cortina“ oberhalb des renommierten Wintersportzentrums von Cortina d’Ampezzo bietet mit seiner exponierten Lage und seiner traditionellen Holzbauweise das ideale Ambiente für ein stimmungsvolles Sport- und Naturerlebnis. In diesen Genuss können zu den Olympischen und Paralympischen Winterspielen 2026 auch die Gäste des Deutschen Hauses kommen, wenn die Location im kommenden Februar und März zum „Home of Team Deutschland“ wird - wie gewohnt ganz nah am sportlichen Geschehen. Im Mountain-Cluster von Cortina d’Ampezzo werden zu den Olympics die Bob-, Rodel- und Skeletonwettbewerbe, die Ski Alpin-Rennen der Frauen sowie das Curling-Turnier ausgetragen. Bei den Paralympics stehen dort die Eröffnungsfeier sowie die Sportarten Para Ski alpin, Para Snowboard und Rollstuhlcurling auf dem Programm. Die Biathlon-Konkurrenzen finden im rund 60 Kilometer entfernten Antholz statt.

Die Entscheidung für den Golfclub verkündete Claudia Wagner, Geschäftsführerin der Deutschen Sport Marketing (DSM) und in dieser Rolle verantwortlich für die Konzeption und Umsetzung Deutscher Häuser, im Rahmen eines digitalen Pressegesprächs unter dem Motto „One year to Mailand Cortina 2026“ gemeinsam mit Olaf Tabor, Vorstand Leistungssport des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), in der DOSB-Zentrale in Frankfurt.

One year to go! Geschichte schreiben mit einem Jahr Anlauf

Die Euphorie von Menschen, die Geschichte schreiben können, strahlen sie noch nicht aus. Aber das muss man Tatjana Paller und Finn Hösch nun wirklich nachsehen, denn um Historisches zu schaffen und als erste deutsche Athlet*innen in ihrer Sportart an Olympischen Spielen teilzunehmen, fehlt ihnen etwas Entscheidendes: die Qualifikation. Weil jedoch das Skibergsteigen, im internationalen Sprachgebrauch als Ski Mountaineering (kurz: Skimo) bekannt, die einzige Neuaufnahme im Programm von Mailand Cortina 2026 darstellt, und weil wir selbstverständlich an unsere besten nationalen Asse glauben, sind Tatjana und Finn die passendsten Gesprächspartner, um genau ein Jahr vor dem Start der Festspiele in den italienischen Alpen (6. bis 22. Februar 2026) den Countdown einzuläuten.

Das gilt insbesondere deshalb, weil die beiden so anschaulich und beseelt von ihrem Sport erzählen, dass man ihnen die Fahrkarte nach Bormio, wo die Skimo-Medaillenkämpfe stattfinden werden, am liebsten direkt ausstellen würde. Doch so einfach ist das leider nicht - dazu später mehr. Zunächst einmal gilt es zu klären, was eigentlich die Faszination dieses Sports ausmacht. Und da sind sich Finn und Tatjana einig: „Das Besondere ist der Mix aus Ausdauer und Kraft beim Aufstieg, skifahrerischen Skills bei der Abfahrt und technischen Fähigkeiten in den Wechselbereichen!“

Vier Disziplinen werden in der Weltcupsaison, in der sich die beiden der Sportfördergruppe der Bundeswehr Angehörigen zwischen den Events in Arinsal (Andorra) und Boi Taüll (Spanien) aus einer Ferienwohnung in Spanien zugeschaltet haben, ausgetragen: Sprint, das als Königsdisziplin geltende Individual (Langstrecke), Vertical (nur bergauf) und Mixedstaffel. Um beim Aufstieg nicht ins Rutschen zu geraten, werden den ultraleichten Ski Steigfelle untergeschnallt, die vor der Abfahrt in den Wechselzonen abgezogen werden müssen. Dazu gibt es Tragepassagen, auf denen die Bretter geschultert werden müssen. Bei Verstößen gegen die Regeln beim Wechseln drohen Strafzeiten. Skibergsteiger*innen sind also, vergleichbar mit Triathleten, vollkommene Allrounder.

Aus Gründen der optimalen TV-Vermarktbarkeit haben es nur der Sprint, bei dem in mehreren Runden jeweils rund 80 Höhenmeter auf und ab zu absolvieren sind, und die Mixed Relay ins olympische Programm geschafft. Für Tatjana und Finn ist das ein Segen, „denn das sind ihre jeweils stärksten Disziplinen“, sagt Bundestrainer Max Wittwer, „was die beiden ausmacht, ist ihr Wille, vom Start weg voll mitzuspielen und das Feld von vorn zu kontrollieren. Und sie sind ein eingespieltes Team, da merkt man, dass das sehr gut funktioniert.“ Wobei bis auf das Wechseltraining kaum Einheiten gemeinsam absolviert werden. „Dafür sind die körperlichen Unterschiede zu groß, da geht jeder sein eigenes Tempo“, sagt Tatjana.

Während Finn als Kindergartenkind schon auf Skiern stand und sich bei einem Nachwuchscamp in Österreich ins Skibergsteigen verliebte, war Tatjanas Weg in den Wintersport verschlungener. „Ich war zwar in der Jugend auch oft zum Alpinskifahren unterwegs, aber mit dem Leistungssport habe ich auf dem Rad begonnen“, erzählt die 29-Jährige, die für die Sektion Tölz des Deutschen Alpenvereins (DAV) startet, unter dessen Ägide Skibergsteigen ausgetragen wird. Bis in den Bahnrad-Bundeskader schaffte sie es, bei Olympischen Spielen ging es allerdings nicht über die Position der Ersatzfrau hinaus. Als ihr nach dem Abschied aus dem Radsport 2020 klar wurde, dass ihr Hobby Skibergsteigen auch ein richtiger Wettkampfsport mit Weltcup und WM ist, sattelte sie um, „weil das Feuer für den Leistungssport noch da war.“

Eine Entscheidung, die sie nie bereut hat, und die sich nun, da Skimo olympisch wird, „wie eine Einmal-im-Leben-Chance anfühlt. Es geht noch einmal eine Tür auf, das ist toll für mich“, sagt sie. Im Einzel hat Tatjana Paller bislang international keinen Podestplatz vorzuweisen, achtmal wurde sie aber bereits Vierte. Finn dagegen holte erst vor kurzem bei den Winter World University Games in Turin (Italien) Gold im Sprint. „Und im Mixed zählen wir schon zu den Top-fünf-Nationen“, sagt der 22-Jährige, der für die DAV-Sektion Bergland München startet und wie Tatjana sein Heimat-Skigebiet Lenggries am liebsten hat. Die führenden Nationen sind die Alpen-Anrainer Schweiz, Österreich, Italien und Frankreich, „aber die Chinesen holen gerade richtig auf. Unser Sport hat sich durch die Aufnahme ins Olympiaprogramm in der Breite professionalisiert, die weltweite Leistungsdichte nimmt deutlich zu“, sagt Bundestrainer Wittwer.

Was das Rennen um die Olympiatickets - zwölf Staffeln und je 18 Teilnehmende pro Geschlecht im Sprint sind zugelassen - nicht gerade leichter macht. „Die Qualifikation ist ziemlich kompliziert“, setzt Tatjana zu einer Erklärung an – und spult dann eine Ausarbeitung ab, an deren Ende man das Gefühl hat, dass es den beiden für das vollständige Verständnis des Modus durchaus hilft, dass sie sich an der Technischen Universität München - Tatjana studiert Sport und Wirtschaft auf Lehramt, Finn Maschinenbau - viel mit Mathematik beschäftigen. Um es einfach zusammenzufassen: Die nächste Chance zur Qualifikation bietet die WM in Morgins (Schweiz/3. bis 8. März), wo allerdings Gold oder Silber zur Direktbuchung notwendig sind. Und wenn das gelingt, sind das auch nur Nationenplätze, die sie in internen Ausscheidungsrennen im kommenden Winter vor den Spielen bestätigen müssten.

Bange ist ihnen davor keineswegs. Dank der Förderung durch die Bundeswehr und die Sporthilfe können sie sich zu 100 Prozent auf ihren Sport konzentrieren. Und spätestens beim Testevent in Bormio, das vom 21. bis 23. Februar angesetzt ist, werden die Bilder, wie sie unter den fünf Ringen am Start stehen, Gestalt annehmen. „Wenn ich an Olympia denke, kommt mir vor allem Biathlon in den Sinn. Aber ich möchte meine eigenen Bilder kreieren“, sagt Finn. Sollte die Qualifikation nicht gelingen, „dann werde ich meinen Sport genauso weitermachen wie bislang auch.“ Wird aber schon gelingen, deshalb startet an diesem Donnerstag für Tatjana, Finn und all die anderen deutschen Hoffnungsträger der Countdown: nur noch ein Jahr bis zum Start!

Ohne Ehrenamt geht es nicht!

Der DOSB hat zehn Forderungen an die neue Bundesregierung aufgestellt - und wir untermauern diese in den Wochen des Bundestagswahlkampfs und der anschließenden Koalitionsverhandlungen mit der Unterstützung von Testimonials aus dem Leistungssport, um anhand von Beispielen aus der Praxis deutlich zu machen, was diese Forderungen dem organisierten Sport bedeuten. Der Link zu allen zehn Forderungen findet sich am Textende. In Folge 3 geht es um Zusammenhalt und Zukunft.

Ein guter Trainer kann den Unterschied machen, wenn es um die Frage geht, ob ein junger Mensch seinem Sport treu bleibt. Für Léa Krüger war der Mann, der sie ins Fechten einführte, sogar mehr als ein Unterschiedmacher. „Mein erster Trainer, als ich mit zwölf Jahren beim Fechterring Nürnberg e.V. mit meinem Sport angefangen habe, hieß Albert, und er hat den Grundstein dafür gelegt, dass ich mich ehrenamtlich engagiere“, sagt Léa Krüger. Es habe einige Zeit gedauert, bis sie verstanden hatte, dass Albert im Hauptberuf etwas ganz anderes war als Fechttrainer. „Er hat das Training ehrenamtlich geleitet, einfach weil es ihm so viel Freude bereitete, sein Wissen an Jugendliche weiterzugeben. Für mich war das die erste Berührung mit dem Thema Ehrenamt, und ich war wahnsinnig beeindruckt.“

Um ein Paket zur Stärkung und Entlastung des ehrenamtlichen Engagements und den Start einer Digitaloffensive geht es in Punkt drei der zehn Forderungen umfassenden To-do-Liste des DOSB für die Bundespolitik, und es kann wohl kaum eine kompetentere Gesprächspartnerin für diesen Bereich geben als die Säbelspezialistin vom TSV Bayer Dormagen. Nicht nur, weil sie in ihrer Karriere nach Albert noch viele ehrenamtlich tätige Menschen kennen gelernt hat. Sondern vor allem, weil sie sich selbst unentgeltlich für die Belange anderer einsetzt. 2020 übernahm sie beim Deutschen Fechter-Bund das Amt der Athletensprecherin, seit drei Jahren ist die 28-Jährige im Präsidium des Vereins Athleten Deutschland e.V. und in der Athletenkommission des DOSB engagiert.

Der Moment, in dem Léa Krüger verstand, warum ehrenamtliches Engagement unerlässlich ist für den Sport in Deutschland, liegt allerdings etwas weiter zurück. „Als ich 15 war, bin ich ans Sportinternat nach Dormagen gewechselt. Dort werden regelmäßig Turniere ausgerichtet, unter anderem auch ein internationaler Junioren-Weltcup. Dafür müssen alle mit anpacken, es ist eine Mordsarbeit. Und das hat meinen Blick dafür, was für das Funktionieren des Sportbetriebs notwendig ist, total verändert“, sagt die angehende Juristin, die ihr Studium an der Uni Köln in diesem Frühjahr mit dem ersten Staatsexamen abschließen möchte.

In den vielen Jahren, die sie im Leistungssport verbracht hat, sei ihr klar geworden, dass mehr Wertschätzung für das Ehrenamt nicht nur ein bislang ungelöstes Dauerthema ist, sondern auch für die meisten gar nichts mit Geld zu tun hat. „Die wenigsten Ehrenamtler entscheiden sich dafür, aktiv ein Amt zu suchen. Vielmehr ist es so, dass man irgendwann einen Bereich findet, für den man so sehr brennt, dass man sich einbringen möchte. Das ist eine intrinsische Motivation, die nichts damit zu tun hat, ob es dafür Geld gibt oder nicht“, sagt sie. Ihr Antrieb, sich in der Athletenvertretung einzubringen, sei das Gefühl gewesen, für nachfolgende Generationen etwas zum Positiven verändern zu können. Und sie erzählt von einer Idee, die sie gemeinsam mit Siebener-Rugby-Nationalspieler Ben Ellermann nach den Olympischen Spielen in Paris umgesetzt hat. „Wir haben einen Safe Space geschaffen, in dem wir uns mit anderen Athletinnen und Athleten zum Thema mentale Gesundheit ausgetauscht haben. Zunächst dachte ich, dass das kaum jemanden interessiert, aber dann waren viele dabei und wir haben richtig tolles Feedback bekommen und den Wunsch, dieses Konzept auszubauen.“

Genau darin liegt ihrer Meinung nach auch die wichtigste Entlohnung. „Wenn ich spüre, dass ich einem Menschen helfen konnte, auch nur einen Kieselstein aus seinem Weg zu räumen, ist es für mich die Bestätigung, dass meine Arbeit Sinn ergibt“, sagt sie. Als Realistin, die sie ist, weiß Léa Krüger, dass die finanziellen Mittel, um die rund acht Millionen ehrenamtlich Tätigen angemessen zu entlohnen, nicht zur Verfügung stehen. „Deshalb glaube ich, dass wir andere Anreize setzen müssen, um mehr Wertschätzung zu erreichen.“ Herausragende Veranstaltungen wie die „Sterne des Sports“, bei denen ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet wird, würde sie gern ausgeweitet sehen, „zum Beispiel mit mehr gemeinsamen Festen oder Galas, bei denen das Ehrenamt im Fokus steht und geehrt wird.“ Außerdem wünscht sie sich, dass Geschichten über Menschen im Ehrenamt häufiger in den Medien zu finden wären, „um die Sichtbarkeit zu erhöhen und dadurch andere zum Nachahmen zu animieren.“

Der DOSB trauert um den großen Sportsfreund Horst Köhler

Ein stets fairer Umgang mit seinen Mitmenschen; der Hang dazu, sich an Spielregeln zu halten; dazu ein ausgeprägter Sinn für Ordnung und Disziplin sowie die Fähigkeit, klar und ehrlich zu kommunizieren: Wer in den vergangenen Tagen die Nachrufe auf Horst Köhler las, in denen diese Eigenschaften als prägend hervorgehoben wurden, der kam kaum umhin, Parallelen zwischen dem politischen Wirken des neunten Bundespräsidenten Deutschlands, der vom 1. Juli 2004 bis zum 31. Mai 2010 amtierte, und seiner Begeisterung für den Sport zu ziehen. 

Als Horst Köhler am 10. März 2009 als erster Träger der Ehrenmedaille des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) auserkoren und vom damaligen DOSB-Präsidenten Thomas Bach geehrt wurde, sagte er in seiner Dankesrede: „Sport ist ein Schlüsselelement für den Menschen zu seiner Zufriedenheit und seiner Erfüllung. Sport ist ein ganz wichtiger Bereich auch in meinem Leben, ich bin jemand, der den Sport braucht.” Und weil der ehemalige Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), der am vergangenen Samstag nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 81 Jahren verstarb, seiner Leidenschaft immer wieder durch die Unterstützung für den Sport in seiner Breite Ausdruck verlieh, ist die Betroffenheit über seinen Tod im DOSB groß. 

„Die Nachricht vom Tod unseres ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler macht uns traurig. Als erster Schirmherr des DOSB und erster Träger der DOSB-Ehrenmedaille hat er sich stets für den Sport in Deutschland eingesetzt und dessen Bedeutung für unsere Gesellschaft hervorgehoben. Sein Engagement und seine Leidenschaft werden uns immer in Erinnerung bleiben. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie und seinen Angehörigen”, sagte DOSB-Präsident Thomas Weikert. 

Horst Köhler, der in seiner Jugend in der Schulmannschaft am Mörike-Gymnasium in Ludwigsburg Handball gespielt hatte, war nach der Fusion des Nationalen Olympischen Komitees und des Deutschen Sportbundes zum DOSB im Mai 2006 in erster Amtszeit Bundespräsident und wurde deshalb zum ersten Schirmherrn des DOSB. Er empfing regelmäßig erfolgreiche Athlet*innen, lud das Präsidium des DOSB zu Jahresgesprächen ins Schloss Bellevue ein und zeichnete mehrfach die Sieger beim bundesweiten Vereinswettbewerb „Sterne des Sports“ in Berlin aus. Emotionaler Höhepunkt seiner Amtszeit war aber, so hat es Horst Köhler selbst erzählt, der Titelgewinn der Handballmänner bei der Heim-WM 2007, bei dem er das Team von der Tribüne aus lautstark und mit einem Fanschal um den Hals beim 29:24-Sieg im Finale gegen Polen unterstützte. 

Ein halbes Jahr nach seinem Rücktritt als Bundespräsident, den er aus Gewissensgründen nach Kritik an einer von ihm in einem Interview getätigten Aussage über Auslandseinsätze der Bundeswehr vollzog, wurde der leidenschaftliche Skifahrer und Bergwanderer für vier Jahre zum persönlichen Mitglied im DOSB gewählt. Zwei Jahre später hielt er auf der DOSB-Mitgliederversammlung in Stuttgart eine Rede zum 100-jährigen Bestehen des Deutschen Sportabzeichens, das Köhler mehrfach ablegte und in Gold verliehen bekam, in der er einen viel beachteten Satz sagte: „Sport und Bewegung tragen elementar zu Gesundheit und Lebensfreude bei. Für mich ist Sport eine Art Grundnahrungsmittel.“ 

Thomas Arnold, Vorstand Finanzen im DOSB und bereits zu Köhlers Zeiten im Dachverband des deutschen Sports tätig, erinnert sich mit Freude an die gemeinsamen Jahre zurück. „Wir haben Bundespräsident Horst Köhler stets als einen engen Partner des Sports erlebt. Dies zeigte sich nicht nur bei seinen Besuchen der deutschen Olympiamannschaften, bei denen er stets einen engen Kontakt mit den Athletinnen und Athleten pflegte. Über seine frühere berufliche Tätigkeit, insbesondere als Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, war er dem Sport auch auf besondere Weise verbunden und zugetan.“ 

Nun ist Horst Köhler, der 1997 zum Thema „Freisetzung von Arbeit durch technischen Fortschritt“ am Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung der Universität Tübingen promoviert hatte, nicht mehr unter uns. Es bleiben die Erinnerung an einen großen Unterstützer des Sports – und ein Satz als Vermächtnis, ausgesprochen vor 15 Jahren und heute so aktuell wie damals: „Der Sport ist gerade in dieser Zeit voller Krisen ein wichtiges Medium, um damit fertig zu werden und auch an anderer Stelle Kraft und Zuversicht zu tanken.“ 

Spaß geht vor Erfolg - aber gewinnen möchte er trotzdem

Doch, sagt Luka Kamissek, auf dem Podium zu stehen, das fände er schon gut. Aber wichtiger als Gold, Silber, Bronze ist für ihn, Spaß zu haben und mit so vielen Kollegen aus verschiedenen Nationen etwas zu erleben. „Die Leute, die ich ohne den Sport niemals kennengelernt hätte, sind das, was mich am Snowboarden besonders fasziniert. Es macht doch viel mehr Spaß, wenn dir jeder zujubelt und mit dir fiebert, als den anderen nichts zu gönnen“, sagt das 16 Jahre alte Toptalent vom TSV 1860 München. Weil es in seinem Sport eben elementar ist, die Konkurrenz nicht als Gegner zu betrachten, sondern sich gegenseitig zu unterstützen und voneinander zu lernen, wird Luka Kamissek auch vor dem größten Wettkampf seiner noch jungen Karriere nicht von seiner Prämisse abrücken: Spaß geht vor Erfolg!

An diesem Freitag reist der Münchner, der im Sportinternat Berchtesgaden lebt, trainiert und zur Schule geht, mit dem Team D nach Georgien. Dort findet an den drei Standorten Bakuriani, Batumi und Tiflis vom 9. bis zum 16. Februar das European Youth Olympic Winter Festival statt. Knapp 1.000 Nachwuchsathlet*innen aus 46 europäischen Nationen können in acht olympischen Sportarten einen ersten Eindruck davon bekommen, wie ein olympisches Sportgroßereignis abläuft. Das Team Deutschland ist, weil der Termin wegen des engen Wettkampfkalenders und der Priorisierung der Verbände für viele nicht passte, ein kleines, aber feines: Neben Luka sind aus dem Snowboardbereich noch Janina Walz, Joana Fuchs (beide Snowgau Freestyle Team) und Damian Millinger (WSV Bischofswiesen) dabei, dazu kommen Sophie Erhardt (Eissportclub Regensburg) und Leon Rojkov (Berliner SV 1892) aus dem Eiskunstlauf.

United by Unique am Weltkrebstag

So wie alle Menschen einzigartig sind, sind es auch ihre Geschichten. Bei jährlich rund 500.000 Menschen zählt dazu auch Krebs. Oft sind diese Geschichten mit Trauer, Ohnmacht und einem Gefühl von Ungerechtigkeit verbunden – wie auch die des kürzlich verstorbenen Eishockey-Nationalspielers Tobias Eder, um den die Sportwelt aktuell trauert. Der Profi der Eisbären Berlin hatte im August vergangenen Jahres die Diagnose Krebs erhalten und starb nun im Alter von 26 Jahren.

Der Weltkrebstag 2025 am 4. Februar steht unter dem Motto „United by Unique“ („Gemeinsam einzigartig“) und erinnert uns daran, dass der Kampf gegen Krebs eine gemeinsame, eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. 500.000 Neuerkrankungen jährlich in Deutschland sind für viele eine erschreckende Zahl, die jedoch größtenteils anonym bleibt. Doch auch wenn die Diagnose Krebs vereint, so unterscheiden sich die persönlichen Geschichten der Menschen durch eigene Erfahrungen, Bedürfnisse und Hintergründe. Hier sollen die vielfältigen Bedarfe der Menschen ein Gesicht bekommen, das Thema Krebs soll aus der Tabuzone weiter in die Mitte der Gesellschaft rücken.

Wie das Motto des Weltkrebstages gibt es aber auch Kapitel, die Hoffnung schenken, wie das von der Paralympics-Siegerin Elena Semechin, die nach den Paralympischen Spielen in Tokio die Diagnose Gehirntumor erhielt. Sie kämpfte sich wieder an die Weltspitze zurück und griff bei den Paralympischen Spielen in Paris im vergangenen Sommer erneut nach der Goldmedaille im Schwimmen. In der neuen Podcast-Folge von „Gesund in Sportdeutschland“ gibt sie uns bewegende Einblicke zu ihrer Liebe zum Sport, den Weg zurück ins Wasser und wie sie weiterhin positiv bleibt.

Für Jasper Ditzer gibt es nur ein Ziel: Den WM-Titel nach Hause holen

Sport ist manchmal brutal. Im Endspiel um die deutsche Meisterschaft im Hallenhockey ließ sich Joshua Onyekwue Nnaji am vergangenen Sonntag in der Frankfurter Süwag Energie Arena schon als Matchwinner feiern. Im Penaltyschießen gegen den Hamburger Vertreter Harvestehuder THC hatte der Torhüter des Crefelder HTC den vermeintlich letzten Versuch des Gegners pariert und sich danach im Überschwang der Gefühle die Schutzmaske vom Gesicht gerissen. Doch weil der 22-Jährige nach Meinung der Schiedsrichter den Ball regelwidrig mit der runden Seite des Schlägers aus der Gefahrenzone befördert hatte, gab es Siebenmeter für die Hamburger. Die nutzten die unverhoffte Chance – und entschieden kurz darauf das Penaltyschießen für sich. Während Pechvogel Joshua getröstet werden musste, war HTHC-Torhüter Jasper Ditzer der Mann, der von seinen Teamkollegen unter einer Jubeltraube begraben wurde.

Wenige Tage später kann Jasper Ditzer noch immer nicht so recht fassen, was ihm da gelungen ist. 18 Jahre ist der Keeper, der in diesem Sommer an der Eliteschule des Sports am Alten Teichweg in Hamburg sein Abitur bestehen möchte, noch jung. Aber in puncto Empathie agiert er bereits wie einer, der schon alles erlebt hat. „Joshua und ich haben ein sehr gutes Verhältnis. Er ist ein Mega-Typ, ein toller Torhüter, ich habe riesigen Respekt vor ihm. Es war wahnsinnig hart für ihn, dass sein Team und er nicht den Titel geholt haben, und es wird ihn sicherlich auch noch beschäftigen. Aber ich weiß, dass er stark genug ist, das zu verkraften und daran zu wachsen“, sagt er.

Und weil der Sport nicht nur manchmal brutal, sondern auch kurios und deshalb so wunderbar ist, haben die beiden Torhüter in der kommenden Woche die Gelegenheit, gemeinsam daran zu arbeiten, die Wunden des vergangenen Wochenendes zu heilen. Im deutschen Kader für die Hallen-WM, die am Montag, 3. Februar, in Porec (Kroatien) startet, bilden sie das Duo, das Gegentore verhindern soll. Eine klare Nummer eins gibt es nicht, in der Gruppenphase werden sie sich die Spiele aufteilen, für die K.-o.-Runde könnte es dann eine Festlegung geben. Für Jasper Ditzer ist klar: „Egal, wer von uns spielt, der andere wird alles tun, um zu unterstützen. Wir verstehen uns als Torwartteam, in dem der eine für den anderen da ist.“

Während Joshua Onyekwue Nnaji, der seinen klangvollen Nachnamen seinem aus Nigeria stammenden Vater verdankt, als Keeper der U-21-Auswahl 2023 schon weltmeisterliche Spuren hinterlassen hat, ist das Turnier in Kroatien für Ditzer der erste internationale Großeinsatz für eine deutsche A-Nationalmannschaft. Aufgeregt ist er deswegen aber kaum. „Ich empfinde das als Ansporn und eine große Auszeichnung“, sagt er. Eine Auszeichnung, die er sich angesichts seiner Leistungen in der Hallensaison redlich verdient hat. Mit seinen herausragenden Reflexen und seiner Agilität hatte der bei Rot-Weiß Köln aufgewachsene Torwart, der mit seiner Familie als 13-Jähriger nach Hamburg zog und in den HTHC eintrat, großen Anteil daran, dass den Schwarz-Gelben eine perfekte Saison mit 13 Siegen aus 13 Spielen gelang.

Er selbst will das eigene Zutun gar nicht zu hoch hängen. Nachdem er vor einem Jahr in der Rückrunde der Feldbundesliga für den schwer am Knie verletzten Nationaltorhüter Anton Brinckman zwischen die Pfosten gerückt war, habe er einen Entwicklungsprozess durchlebt, der noch längst nicht an seinem Ende angekommen sei. „Ich habe sicherlich in diesem Winter einen großen Schritt gemacht, was meine Ruhe und meine Spielintelligenz angeht. Aber es gibt auch noch einiges, an dem ich arbeiten muss. Mein Stellungsspiel muss besser werden, und ich kann sicherlich durch mehr Erfahrung auch noch respekteinflößender auf den Gegner wirken“, sagt er.

Daran lässt sich nun bereits in Kroatien arbeiten. In der Vorrunde trifft das deutsche Team, das für dieses Turnier von den Hockey-Legenden Matthias Witthaus (42/lange deutscher Rekordnationalspieler) und Jan-Philipp Rabente (37/schoss Deutschland 2012 mit seinen beiden Toren im Finale gegen die Niederlande zum Olympiasieg) betreut wird, zunächst am Montag (9.40 Uhr) auf Malaysia, tags darauf (10.50 Uhr) auf den Iran und zum Abschluss am Mittwoch (21 Uhr) auf Argentinien. „Über unsere Gegner weiß ich nichts, wir werden sie uns im Turnierverlauf anschauen und verlassen uns darauf, dass unser Trainerteam uns optimal einstellt“, sagt Jasper Ditzer.

Tatsächlich ist die Vorbereitung auf eine Hallen-WM nicht ganz einfach, Videomaterial von den teils exotischen Gegnern – gegen den Iran, der in der Halle zuletzt zweimal WM-Bronze gewann, hat Deutschland im Feldhockey keinerlei Erfahrung – existiert oft nicht. Dennoch zeigt ein Blick auf die Bilanz, dass es mit der deutschen Dominanz im Hallenhockey, die Außenstehende oft erwarten, nicht allzu weit her ist. Während die deutschen Damen, die in Porec in der Vorrunde auf Neuseeland (Mo., 16.40 Uhr), Australien (Mi., 13.30 Uhr) und Namibia (Do., 13.30 Uhr) treffen, immerhin 2018 in Berlin den bislang letzten ihrer drei WM-Titel holten, warten die Herren seit 2011 auf Titel Nummer vier. Jasper Ditzer ist allerdings zuversichtlich, diese Serie im Finale am 9. Februar (19.30 Uhr) beenden und Titelverteidiger Österreich, in dessen Kader in Fülöp Losonci und Moritz Frey zwei seiner HTHC-Teamkollegen stehen, beerben zu können. „Unser Kader ist richtig stark und mit einer super Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern besetzt. Ich habe nur ein Ziel: Mit dem Titel nach Hause zu fliegen“, sagt er.

Gelingt der Coup tatsächlich, könnten die zwei Keeper gemeinsam feiern, anstatt dass einer dem anderen dabei zuschauen muss. „Ich glaube, das wäre für uns beide der schönste Moment“, sagt Jasper Ditzer, „und dafür werde ich alles geben!“ 

Alle Infos sowie Livestreams zur Hallenhockey-WM findet ihr auf der Website des Welthockeyverbands FIH: www.fih.hockey/events/fih-indoor-world-cup-croatia-2025

Für mehr Vielfalt auf und neben dem Sportplatz: Das dritte Modul ist online!

Ein Sport für alle? Der organisierte Sport soll ein diskriminierungsfreier Ort sein, an dem sich alle Menschen wohlfühlen können. Doch das ist längst nicht für alle Realität. In Deutschland fühlt sich ein Fünftel der Befragten der OUTSPORT-Studie wegen ihrer geschlechtlichen oder sexuellen Orientierung vom Sport ausgeschlossen. Beschimpfungen, Bedrohungen, diskriminierende Strukturen, körperliche Grenzüberschreitungen oder sogar körperliche Gewalt - all diese Erfahrungen erschweren trans*, inter* und nicht-binären Menschen (TIN) den Zugang zum und die Teilhabe am organisierten Sport.

Mit der Veröffentlichung des dritten Moduls der E-Sporttasche unter dem Titel „Geschlechtervielfalt im Sport“ verfolgt das Projekt das Ziel, das Bewusstsein für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt zu stärken. Die Entwicklung einer offenen und geschlechtsinklusiven Haltung ist eine wichtige Voraussetzung für einen Sport, der ein Ort für alle sein will. 

Das Modul bietet vielseitige Lerneinheiten zum Thema geschlechtliche und sexuelle Vielfalt im Sport. Es vermittelt einen Überblick über zentrale Begriffe und zeigt auf, wie sich Benachteiligungen und Ausgrenzungen in diesem Kontext äußern können. Interviews mit Expert*innen liefern zudem wertvolle Einblicke in aktuelle Herausforderungen und Fragestellungen. 

Die E-Sporttasche ist ein kostenloser E-Learning-Kurs, der sich vor allem an Personen richtet, die in unterschiedlichen Funktionen in Sportverbänden oder -vereinen tätig sind. Ziel des Kurses ist es, für Geschlechterklischees im Sport zu sensibilisieren, Wissen über strukturelle Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern zu vermitteln und zur aktiven Gestaltung einer klischeefreien Sportkultur zu motivieren.

Du möchtest dich für eine klischeefreie Sportkultur stark machen? Für einen organisierten Sport, an dem alle Menschen teilhaben können? Dann absolviere jetzt die ersten drei Module der E-Sporttasche!

Hier gelangst du zur E-Sporttasche:

https://www.klischeefrei-sport.de/e-sporttasche

„Es fehlt nicht an guten Konzepten, aber wir haben ein Umsetzungsproblem“

Der DOSB hat zehn Forderungen an die neue Bundesregierung aufgestellt - und wir untermauern diese in den Wochen des Bundestagswahlkampfs und der anschließenden Koalitionsverhandlungen mit der Unterstützung von Testimonials aus dem Leistungssport, um anhand von Beispielen aus der Praxis deutlich zu machen, was diese Forderungen dem organisierten Sport bedeuten. Der Link zu allen zehn Forderungen findet sich am Textende. In Folge 2 geht es um Leistung und Leidenschaft.

Wie herausfordernd es sein kann, in Deutschland Teil des Leistungssportsystems zu sein, davon kann Fabienne Königstein einige Geschichten erzählen. Die, die sie aktuell belastet, geht so: 2023 war die 32-Jährige von der Mannheimer Turn- und Sportgesellschaft beim Haspa-Marathon in Hamburg in 2:25:48 Stunden persönliche Bestzeit gelaufen - und das nur neun Monate nach der Geburt ihrer Tochter Skadi. Eine herausragende Leistung, mit der sie die Norm für die Olympischen Spiele von Paris unterbot.

Weil jedoch in Deutschland drei Frauen noch schneller waren, wurde sie nicht für Frankreich nominiert. Dazu kam eine langwierige Hüftproblematik, die einen Marathonstart im vergangenen Jahr verhinderte; mit der Folge, dass die Spitzenathletin aus dem Bundeskader gestrichen wurde und ihr dadurch der Zugang zu diversen Fördertöpfen versperrt ist. „Zum Glück wird mir die Physiotherapie noch ein Jahr über den Olympiastützpunkt Rhein-Neckar finanziert. Aber ansonsten ist das Thema soziale Absicherung gerade wieder ziemlich bestimmend in meinem Leben“, sagt Fabienne Königstein, die sich zu ihrem Glück auf die Unterstützung durch ihren Ehemann Karsten verlassen kann, der als Arzt arbeitet und zum 1. Februar wieder eine volle Stelle antritt, nachdem er in den vergangenen zweieinhalb Jahren viel Elternarbeit geleistet und seiner Frau so den Rücken für das Profisportlerinnen-Dasein freigehalten hatte.

Mit Verlässlichkeit langfristig planen zu können, das ist ein Wunsch, den Fabienne Königstein mit vielen deutschen Athlet*innen teilt. Die vor mittlerweile acht Jahren angestoßene Leistungssportreform endlich zu nachhaltigen Ergebnissen bringen zu können, ist der nationalen Marathon-Meisterin von 2018 ein persönliches Anliegen, unter anderem dafür engagiert sie sich im Präsidium und der Athletenkommission des DOSB sowie im Präsidium des Vereins Athleten Deutschland. „Es liegt ja nicht daran, dass es nicht ausreichend gute Ideen und Konzepte gibt. Wir haben im deutschen Sport ein Umsetzungsproblem, an dem alle Beteiligten arbeiten müssen. In den vergangenen beiden Jahren gab es harte, aber gute Verhandlungen mit Blick auf die Spitzensportreform, an die eine neue Regierung anknüpfen muss“, sagt sie.

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